ARTIKEL

Steuerzentrale Anforderungsmanagement

Warum Klarheit kein Zufall ist
Michael Ort

Große Transformationsvorhaben sind gut darin, Themen zu aggregieren und zu verallgemeinern. Der Inhalt eines Releases wird dann in wenigen Worten umrissen: das „Firmenkundengeschäft.“ Was nach Klarheit klingt, ist das Gegenteil. Je kürzer die Formel, desto größer der Interpretationsraum.

Genau hier beginnt die Aufgabe des Anforderungsmanagements: den Releaseumfang festzuhalten und über alle Themenbereiche hinweg Klarheit zu schaffen, damit ein konsistentes Gesamtwerk entstehen kann.

Der Fächer öffnet sich von alleine

„Dies gehört dazu“ und „Jenes darf nicht vergessen werden“ fällt uns leicht. Ein „Das lassen wir bewusst weg“ verlangt dagegen eine Entscheidung. Der Fächer öffnet sich also von alleine. Aber er öffnet sich zufällig: Aufgenommen wird, was in Diskussionen zur Sprache kommt. Was niemand einbringt, fehlt, und fällt häufig erst in der Umsetzung auf.

Das Auffächern darf deshalb kein Brainstorming sein. Es muss strukturiert erfolgen: entlang des Produktportfolios, der Prozesslandschaften, der Schnittstellen der bestehenden Systeme und der Erfahrung aus gleichartigen Programmen. So wird aus dem „Firmenkundengeschäft“ ein vollständiges Bild über Produkte, Prozesse und Vertriebswege und Schnittstellen hinweg.

Den Fächer begrenzen

Genauso wichtig ist es, den Fächer nicht zu einem überdimensionalen Vollkreis werden zu lassen. Weder von den Kapazitäten noch inhaltlich ergibt es Sinn, alles zu bauen. Ziel einer Transformation ist nicht, für viel Geld alles nachzubauen, was heute (historisch gewachsen) vorhanden ist, sondern dies, was das Unternehmen die nächsten 20 bis 30 Jahre ausmachen wird.

In diesem Spannungsfeld wird das Anforderungsmanagement zur Steuerzentrale der Transformation.

In den weiteren Artikeln dieser Serie setzen wir die Reise durch Raum und Zeit eines Transformationsprogramms fort. Von der Formulierung der Ziele und Akzeptanzkriterien für ein erstes Release über die Überführung in einen greifbaren Scope und die Vorteile und Herausforderungen einer Standardsoftware, das Zusammenspiel von Anforderungen mit Entwicklung, Test- und Releasezuordnung – bis hin zur Rolle der Anforderungen bei der Einführung.

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